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Wenn die Bedingungen schwieriger werden: Was Traumaarbeit möglich macht

23.09.2026

Liebe Interessierte an der Traumaarbeit,

Traumaarbeit und Friedensarbeit haben einen Anspruch: Menschen zu stärken, Begegnung zu ermöglichen und Veränderung anzustoßen. Doch was wird aus diesem Anspruch, wenn die Bedingungen dafür schwieriger werden? Wenn Krisen andauern, Sicherheit fehlt, Dialog anspruchsvoller wird und gleichzeitig die finanziellen Spielräume kleiner werden? In dieser Ausgabe berichten wir von unserem internationalen Auffrischungsseminar und der Sommerakademie, sprechen mit unserer Partnerorganisation in Bethlehem und fragen, wie zivilgesellschaftliche Arbeit auch angesichts knapper werdender Mittel langfristig möglich bleiben kann.

Inhalt

Hoffnungsarbeit braucht Geld

Internationaler Refresher 2026: „Den Frieden, den ich jetzt in meinem Herzen trage, kann mir niemand nehmen.“

Sommerakademie für interkulturellen Dialog 2026: Die Gemeinschaft als eine Form des Widerstands

„Wir können Menschen begleiten, aber wir können nicht das gesamte Leid einer Gesellschaft auf unseren Schultern tragen“ – Interview mit Ursula Mukarker zur Situation in Palästina

Neues Vorstandsmitglied: Claudia Dunckern

Wings of Hope in der Presse

Aktuelle Veranstaltungen

Aktuelle Seminare und Weiterbildungen

Mitglieder des Vorstands stehen vor einer Holzwand.

Hoffnungsarbeit braucht Geld

Es wird knapper – das Geld. Auch für Wings of Hope wird es zunehmend schwieriger und aufwendiger, die notwendigen Gelder für wichtige Projekte und die kontinuierliche Arbeit zu generieren. Gerade die öffentlichen und kirchlichen Haushalte zeigen seit Jahren ein deutliches Bild: Nach den Pflichtaufgaben bleibt weniger übrig für gute, sinnvolle, aber eben freiwillige Zuweisungen und Förderungen.

Damit die Lücken nicht zu groß werden, versuchen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von NGOs dann mit Überstunden, Umschichtungen und ehrenamtlichem Engagement, Defizite aufzufangen – sogar über ihre persönliche Belastungsgrenze hinaus. Das geht für eine kurze Zeit. Doch wie lang ist kurz? Irgendwann geht es eben nicht mehr. Dann werden Aufgaben und Arbeitsplätze gekürzt, erfolgreiche Programme gestrichen oder die gesamte Organisation aufgelöst. So wird aus leisen Veränderungen ein lauter Knall.

Gibt es Auswege aus den klammen Kassen der öffentlichen und kirchlichen Haushalte?

Fundraising heißt häufig das Zauberwort: Spenden sammeln und damit Projekte finanzieren, Arbeitsplätze erhalten und bei akuten Notfällen helfen etc. kann unter bestimmten Bedingungen sogar gelingen:

  • bei langfristig guter Beziehungsarbeit zu den Unterstützern (persönliche und institutionelle)
  • wenn das Projekt Menschen erreicht (Stichwort: gute Öffentlichkeitsarbeit) und begeistert
  • bei grandiosen Ideen für Fundraisingmaßnahmen und
  • wenn das Glück den „Goldesel“ vorbeischickt.

Doch bei aller Begeisterung für das Fundraising müssen Spenden weiterhin zeitnah ausgegeben werden und sind meist zweckgebunden. Als finanzielle Basis für die verantwortliche, tägliche „Arbeit im Hintergrund“ eignen sie sich daher eher nicht. Denn welcher Spender unterstützt schon gerne „die Verwaltung“? Zudem variieren Spendenhöhe und Spenderanzahl. Das liegt in der Natur der Sache und kennt auch jeder von sich selbst: Mal kann ich eine Organisation großzügiger unterstützen, mal richtet sich mein Interesse anders aus, mal muss ich sparen. Deshalb ist spendenbasiertes Fundraising wichtig, es kann eine institutionelle Förderung aber nur schwer ersetzen.

Was können wir tun?

Es gibt nicht den einen Königsweg, der allen wertvollen zivilgesellschaftlichen Wohlfahrtsorganisationen aus der finanziellen Misere hilft. Vielleicht helfen einige Grundsätze: die Konzentration auf das Wesentliche, die Bündelung von Kräften und die Nutzung von Kooperationen, eine sparsame Mittelverwendung sowie Ehrlichkeit und Verlässlichkeit bei der Antragstellung und Abrechnung von Zuwendungen. Ebenso wichtig sind die Erschließung neuer Fördermöglichkeiten, langfristige Bindungen zu persönlichen und öffentlichen Unterstützerinnen und Unterstützern, ein bewusst gestaltetes Fundraising sowie ein sorgsamer Umgang mit Innovationen und Experimenten.

Perspektivisch werden wohl alle NGOs mehr Kraft und Zeit in das Beschaffen von Geld investieren müssen als bislang. Dennoch bleibe ich der festen Überzeugung: Gute Arbeit bleibt wertvoll – nur die Finanzierung wird sich ändern. Gerade für Wings of Hope ist eine verlässliche Finanzierung die Grundlage dafür, Menschen, die unter den Folgen von Krieg, Gewalt und Krisen leiden, langfristig begleiten zu können. Wir danken allen, die unsere Arbeit mit Spenden, Fördermitteln oder persönlichem Engagement unterstützen und so dazu beitragen, dass Hoffnung konkrete Gestalt annimmt.

Heike Davidson, stellv. Vorstandsvorsitzende der Stiftung Wings of Hope

Seminarteilnehmende stehen vor dem Labenbachhof im Kreis und halten sich an den Händen. Im Hintergrund ist die Berglandschaft des Chiemgaus zu sehen.

Internationaler Refresher 2026: „Den Frieden, den ich jetzt in meinem Herzen trage, kann mir niemand nehmen.“ 

Es ist der erste Abend des diesjährigen internationalen Auffrischungsseminars auf dem Labenbachhof. Eine Woche lang sind Traumafachleute aus Zentralamerika, Brasilien, der Ukraine, Palästina, Liberia, den Niederlanden, der Schweiz und Deutschland gemeinsam hier, um ihr Wissen zu vertiefen, Kraft zu tanken und voneinander zu lernen.

Was gibt uns Kraft und Hoffnung?

Mit dieser Frage starteten wir in das Seminar: Was gibt euch in eurer Gesellschaft Kraft und Hoffnung? Dazu gestaltete jede Gruppe ein Kunstwerk mit Materialien aus der Natur. In einem gemeinsamen Rundgang wurden diese Kunstwerke angeschaut und erklärt.

„Wir wollen nicht nur als Opfer wahrgenommen werden, denn wir haben ganz viel Lebensfreude und Stärke. Wir unterstützen uns gegenseitig, auch wenn das Leben für uns sehr schwer ist“, sagte eine Kollegin aus Palästina zu ihrem Kunstwerk.

An diesem Abend konnten wir viel Gemeinsames entdecken, wie die Kraft der Gemeinschaft und der Musik. Und sowohl die Lebensfreude und die Ressourcen als auch die Last der traumatischen Erfahrungen waren in dieser Woche spürbar.

Fachliche Vertiefung und persönliche Erfahrungen

Im Mittelpunkt des Seminars standen die Arbeit mit traumatischer Trauer sowie verschiedene Methoden zur Traumakonfrontation. Neben der theoretischen Vertiefung war es dabei besonders wichtig, die Methoden auch selbst zu erfahren und auf eigene Erfahrungen und Themen anzuwenden.

Dazu arbeiteten die Teilnehmer:innen unter anderem mit einem Protokoll für Gruppen mit traumatischen Verlusten, der Screen-Technik zur Traumakonfrontation und der 4-Felder-Technik. Bei der 4-Felder-Technik können durch Malen und bilaterale Stimulation sowohl Ressourcen verankert als auch traumatische Erfahrungen verarbeitet werden.

Wie unmittelbar diese Arbeit auch für die eigene Auseinandersetzung mit traumatischen Erfahrungen sein kann, zeigt die Rückmeldung einer Teilnehmerin: „Ich habe alle Übungen gedanklich anhand meiner eigenen Traumata durchgeführt. Die Auseinandersetzung mit dem Trauma anhand der Screen-Technik hat meine gesamte Perspektive verändert. Ich sehe die Dinge und meine Erfahrungen nun ganz anders.“

Kraft tanken und Ressourcen stärken

Neben der Arbeit mit Belastungen stand auch die Stärkung der eigenen Ressourcen im Fokus. Jeder Tag begann mit Körperarbeit nach den Power-Response-Leitlinien. Beim Bogenschießen konnten die Teilnehmer:innen ihre eigene Kraft spüren, und an den Abenden wurde gemeinsam gespielt, gesungen und getanzt.

„Ich bin sehr dankbar für die Gelegenheit, an diesem ganz besonderen Seminar teilnehmen zu können, mich weiterzubilden, auf mich zu achten und die Traumata zu verarbeiten, die mein Leben prägen“, fasste eine Teilnehmerin ihre Erfahrung am Ende zusammen.

„Ich wurde hier gehört, ohne beurteilt zu werden. Es gab Raum, um Geschichten und Erfahrungen auszutauschen. Den Frieden, den ich jetzt in meinem Herzen trage, kann mir niemand nehmen.“

Martina Bock, Geschäftsführung und Projektmanagement Ausland

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Auf dem Bild sind Teilnehmende der Sommerakademie in einem Seminarraum zu sehen, die vertieft miteinander ins Gespräch sind. Im Hintergrund hängt ein großes Plakat mit dem Motto „Community as Resistance“.

Community as Resistance – Die Gemeinschaft als eine Form des Widerstands

Mit unserer Sommerakademie für interkulturellen Dialog bringen wir jedes Jahr junge Menschen aus unterschiedlichen Ländern und gesellschaftlichen Kontexten zusammen. Wir schaffen einen Raum, in dem sie miteinander ins Gespräch kommen, voneinander lernen und sich mit Fragen von Frieden, Dialog und gesellschaftlichem Zusammenhalt auseinandersetzen können.

Das Motto der diesjährigen Sommerakademie war „Community as Resistance“, also in etwa: die Gemeinschaft als Form des Widerstands. In Zeiten der Spaltung, der Isolation und des Gegeneinanders widmeten wir uns dem Thema Gemeinschaft – etwas, das heute nicht mehr selbstverständlich ist. Wir wollten gemeinsam der Frage nachgehen, was wir tun können, wenn gesellschaftliche Entwicklungen uns auseinanderbringen, und wie wir dem etwas entgegensetzen können.

Die Teilnehmenden kamen mit den Sorgen und Unsicherheiten, die ihre Gesellschaften prägen und sie vor große Herausforderungen stellen. Sie erzählten uns von politischen, sozialen und persönlichen Erfahrungen, die von zunehmender Spaltung, Unsicherheit und fehlendem Vertrauen geprägt sind. Dabei wurde uns schnell deutlich: Gemeinschaft können wir nicht einfach voraussetzen. Wir müssen sie immer wieder neu entstehen lassen und aktiv gestalten.

Wie Vertrauen entsteht

Miteinander ist das Wort, das die Welt heute mehr braucht. Schon am Anfang unserer Sommerakademie erlebten wir, was das bedeutet. Bei der gemeinsamen Bergwanderung, beim Kochen und bei vielen kleinen Aufgaben des Alltags erfuhren wir, dass die anderen da sind, um zu helfen, und nicht, um uns zu schaden. Eine Teilnehmerin sagte: „Ich hatte das Gefühl, dass jeder versuchte, etwas beizutragen, damit es funktioniert.“

Es dauerte nicht lange, bis wir als Gruppe erste Erfolge feierten. Gemeinsam mit den Teilnehmenden aus Bosnien und Herzegowina, Kurdistan-Irak, Palästina, Israel und Deutschland ließen wir uns auf etwas ein, das Vertrauen verlangte: den Mut, über schwierige und belastende Themen zu sprechen.

Wir schufen einen geschützten Raum, in dem etwas möglich wurde, das heute nicht selbstverständlich ist: eine Atmosphäre des Vertrauens. Hier konnten wir schweren Themen einen Platz geben, diskutieren, reflektieren und neue Erkenntnisse gewinnen. Wir lernten voneinander und über die Länder, aus denen die Teilnehmenden kommen. Wir sprachen über individuelle und kollektive Traumata, über Antirassismus und Antidiskriminierung.

Gemeinschaft als Raum für Veränderung

Uns ist bewusst, dass wir die Welt nicht allein verändern werden. Gleichzeitig ist uns klar geworden, dass wir sie mitgestalten können und dass wir etwas verschlechtern, wenn wir nichts unternehmen und einfach wegsehen. Im letzten Workshop „Kreativer Widerstand“ beschäftigten wir uns deshalb damit, wie wir in unseren Gesellschaften aktiv werden können. Wir suchten nach Möglichkeiten, mit unseren eigenen Fähigkeiten etwas zu verändern und zu einer Verbesserung beizutragen.

Am Abreisetag begleiteten uns gemischte Gefühle: Dankbarkeit, Hoffnung und Mut, aber auch Traurigkeit darüber, dass wir in eine Welt zurückkehren, die uns oft mit Ungerechtigkeit, Ausgrenzung und Gleichgültigkeit begegnet.

Gleichzeitig nehmen wir viele wertvolle Erfahrungen, neue Perspektiven und die Motivation mit, nicht einfach wegzusehen. Unsere Begegnungen, Gespräche und Workshops haben uns gezeigt, dass Veränderung nicht immer mit großen Taten beginnen muss. Oft beginnt sie mit kleinen Schritten im Alltag und damit, dass wir füreinander da sind.

Mit Dankbarkeit für diese besondere Zeit, mit Hoffnung auf eine bessere Zukunft und mit dem Mut, selbst Verantwortung zu übernehmen, traten wir schließlich die Heimreise an. Denn auch wenn wir die Welt nicht allein verändern können, können wir gemeinsam dazu beitragen, dass sie ein Stück menschlicher, gerechter und lebenswerter wird.

Maid Alić, Mitglied im Leitungsteam der Sommerakademie

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Auf dem Bild ist Ursula Makarker zu sehen, die an einem Schreibtisch sitzt.

„Wir können Menschen begleiten, aber wir können nicht das gesamte Leid einer Gesellschaft auf unseren Schultern tragen“ – Interview mit Ursula Mukarker zur Situation in Palästina

Ursula Mukarker ist Psychologin und Traumatherapeutin (zptn). Seit 2011 leitet sie unsere Partnerorganisation Wings of Hope for Trauma Care in Bethlehem. Im Interview erzählt sie, was die anhaltende Bedrohung mit der seelischen Gesundheit der Menschen macht und warum Traumatherapie unter diesen Bedingungen besondere Herausforderungen mit sich bringt.

Wenn du auf die aktuelle Situation in deiner Stadt Bethlehem schaust: Wie wirkt sich das, was die Menschen dort gerade erleben, auf ihre psychische Gesundheit und ihren Alltag aus? 

Wenn ich die aktuelle Situation in Bethlehem betrachte, wird deutlich, dass viele Menschen weiterhin mit den Folgen der schwierigen Erfahrungen leben. Auch wenn nicht jeden Tag ein dramatisches Ereignis direkt vor ihnen stattfindet, bleibt eine ständige Unsicherheit bestehen. Die Menschen machen sich Sorgen um ihre Familien, ihre Arbeit, ihre finanzielle Situation, ihre Bewegungsfreiheit und darum, was morgen passieren wird.

Das wirkt sich sehr direkt auf den Alltag aus. Menschen schlafen schlechter, können sich weniger konzentrieren, sind schneller gereizt oder ziehen sich zurück. Manche verlieren die Freude an Dingen, die ihnen früher wichtig waren. Bei Kindern zeigt sich die Belastung oft eher im Verhalten als in Worten. Und bei vielen Menschen spüren wir vor allem eine tiefe Erschöpfung.

Für mich beschreibt der Begriff „ongoing trauma“ (fortdauerndes Trauma) unter anderem diese Situation sehr treffend. Bei einem abgeschlossenen traumatischen Ereignis gibt es normalerweise ein klares „Damals“ und „Heute“. Etwas Schlimmes ist passiert, aber irgendwann ist die unmittelbare Gefahr vorbei und der Mensch kann beginnen, das Erlebte zu verarbeiten.

Bei einem fortdauernden Trauma wie im Fall, über einen langen Zeitraum unter Besatzung und anhaltender Unsicherheit zu leben, ist diese Trennung viel schwieriger. Die äußeren Bedingungen verändern sich nicht grundlegend und das Nervensystem bekommt immer wieder Signale, die sagen: „Ich bin noch nicht wirklich sicher.“ Auch wenn in einem bestimmten Moment nichts Dramatisches passiert, kann die anhaltende Unsicherheit den Menschen in einem Zustand von Wachsamkeit, Anspannung und innerer Alarmbereitschaft halten.

Deshalb können Reaktionen wie Angst, Schlafprobleme, Gereiztheit oder Konzentrationsschwierigkeiten nicht immer als Zeichen einer psychischen Störung verstanden werden. Sie können auch verständliche Reaktionen auf eine Lebenssituation sein, in der die Bedrohung und Unsicherheit weiterhin bestehen.

Deshalb müssen wir auch vorsichtig sein, nicht jede Reaktion sofort als psychische Störung zu betrachten. Die genannten Symptome können unter solchen Bedingungen verständliche Reaktionen auf eine tatsächlich unsichere Lebenssituation sein.

Wie kann Traumatherapie unter Bedingungen stattfinden, in denen die belastende oder traumatisierende Situation weiterhin besteht? Wenn die äußeren Bedingungen sich nicht verändern und die Bedrohung weiterbesteht: Was kann Therapie dann überhaupt leisten? 

Das ist wahrscheinlich eine der schwierigsten Fragen in unserer therapeutischen Arbeit.

Wenn die äußeren Bedingungen weiterhin unsicher oder bedrohlich sind, kann Therapie keine Sicherheit schaffen, die außerhalb des Therapieraums nicht vorhanden ist. Wir können den Menschen nicht versprechen, dass nichts Schlimmes passieren wird. Und wir können ein Trauma nicht einfach so behandeln, als würde es ausschließlich der Vergangenheit angehören, wenn die Person weiterhin mit Unsicherheit und Angst lebt. In Situationen anhaltender Gewalt und Unsicherheit können Therapeut:innen nicht einfach sagen: „Jetzt sind Sie sicher.“ Stattdessen helfen sie den Menschen zu unterscheiden, was gerade eine reale Gefahr ist und was eine Reaktion des Körpers auf anhaltenden Stress sein kann. Dabei wird auch anerkannt, dass Unsicherheit für viele zum Alltag gehört.

Deshalb geht es manchmal zunächst gar nicht um eine intensive Verarbeitung des Traumas, sondern um Stabilisierung. Wir fragen uns: Was hilft dieser Person, durch den Tag zu kommen? Was hilft ihr, ihr Nervensystem zu regulieren? Welche Ressourcen hat sie? Wer kann sie unterstützen? Wie kann sie wieder ein kleines Gefühl von Kontrolle entwickeln? Wie kann sie für sich und ihre Kinder sorgen, schlafen, atmen, sich mit anderen verbinden und ihren Alltag weiterführen? Das klingt vielleicht einfach, aber unter solchen Bedingungen ist es sehr wichtig.

Wir versuchen auch, den Menschen wieder ein Gefühl von Handlungsspielraum zu geben. Wir können die politische oder gesellschaftliche Situation nicht verändern und die Unsicherheit nicht einfach wegnehmen. Aber wir können Menschen dabei unterstützen, wieder zu spüren: „Es gibt Dinge, die ich beeinflussen kann. Ich kann noch Entscheidungen treffen. Ich bin nicht völlig hilflos.“

Klassische traumatherapeutische Methoden können weiterhin sehr hilfreich sein. Aber wir müssen sehr genau schauen, wann und für wen sie sinnvoll sind. Manchmal ist eine Traumaverarbeitung möglich. Manchmal ist sie zu diesem Zeitpunkt nicht das Richtige. Dann stehen Stabilisierung, Erdung, soziale Unterstützung, Beziehungen und praktische Bewältigungsstrategien im Vordergrund.

Für mich bedeutet Therapie unter solchen Bedingungen deshalb nicht nur, die Vergangenheit zu verarbeiten. Es bedeutet auch, Menschen dabei zu helfen, psychisch lebendig, verbunden und handlungsfähig zu bleiben, während sie in einer schwierigen Gegenwart leben.

Was macht diese Situation mit dir und dem therapeutischen Team?

Das wird oft vergessen, wenn wir über Trauma sprechen: Auch Therapeut:innen sind Menschen und leben in derselben Umgebung. Wir arbeiten nicht aus einer sicheren Distanz heraus. Wir leben in derselben Gesellschaft, hören dieselben Nachrichten, haben unsere eigenen Familien, Sorgen und Ängste und erleben teilweise dieselbe Unsicherheit wie die Menschen, die zu uns kommen.

Das vollständige Interview mit Ursula Mukarker lesen Sie auf unserer Website.

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Hoffnung für Familien in Bethlehem

Gewalt, Unsicherheit und schwierige Lebensbedingungen hinterlassen tiefe seelische Spuren. Viele Menschen in Bethlehem leben mit den Folgen traumatischer Erfahrungen und brauchen Unterstützung, um Erlebtes zu verarbeiten und neue Perspektiven zu entwickeln.

Unsere Partnerorganisation Wings of Hope for Trauma Care bietet Traumatherapie, psychosoziale Begleitung und stärkende Angebote für Frauen, Kinder und Familien.

Mit Ihrer Spende helfen Sie, diese wichtige Arbeit fortzusetzen.

Als Partnerorganisation leiten wir die Spenden zu 100 Prozent an Wings of Hope for Trauma Care weiter.

 
Porträtfoto von Claudia Dunckern

Herzlich willkommen im Vorstand von Wings of Hope!

Wir freuen uns sehr, Claudia Dunckern als neues Mitglied in unserem Vorstand begrüßen zu dürfen. Dank ihrer langjährigen Erfahrung in den Bereichen Ökumene, Migration, Flucht und Asyl kann sie wertvolle Perspektiven und viel fachliche Expertise in die Arbeit von Wings of Hope einbringen.

Nach einer Ausbildung bei der Münchner Stadtverwaltung studierte sie Evangelische Theologie an der LMU München und an der Universität Augsburg. Es folgten berufliche Stationen an der Universität Augsburg, im Dekanat München und als Leiterin des Evangelischen Bildungswerks Fürstenfeldbruck.

Seit 2009 ist sie im Landeskirchenamt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern tätig. Dort leitete sie zunächst das ökumenische Projekt „Donau-Friedenswelle“ zum Abschluss der Dekade zur Überwindung von Gewalt und ist seit vielen Jahren für Grundsatzfragen zu Migration, Flucht und Asyl zuständig. In dieser Funktion begleitet und berät sie Menschen mit Fluchterfahrung und setzt sich unter anderem als Mitglied der Härtefallkommission im Bayerischen Innenministerium für deren Bleibeperspektiven ein.

An Wings of Hope schätzt sie besonders die Verbindung von Traumabewältigung, Versöhnungsprozessen und Konflikttransformation: „In der Vision von WoH – ‚Trauma heilen, Frieden stiften, Versöhnung leben‘ – kommt der enge Zusammenhang von Traumabewältigung mit Versöhnungsprozessen und Konflikttransformation anschaulich zum Ausdruck. Spuren dieser Vision waren auf meinem bisherigen Weg teilweise spürbar. Ich freue mich darauf, mich in neue Themen einzuarbeiten und mit engagierten Menschen im Sinne dieser Vision mitzuwirken und gemeinsam unterwegs zu sein.“

Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit und heißen Claudia Dunckern herzlich willkommen!

Bildnachweis: ELKB

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Vier Scrabble-Würfel bilden das Wort NEWS.

Wings of Hope in der Presse

In dieser Ausgabe gibt es keine aktuellen Presseberichte. Für Hintergrundgespräche zu unserer Arbeit in der Traumahilfe und Friedensförderung stehen wir Journalist:innen gern zur Verfügung. Weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten finden Sie auf unserer Website.

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Bild von einem Mikrofon

Aktuelle Veranstaltungen

Fachtagung „Über Grenzen – Psychosoziale Versorgung von Geflüchteten am Wendepunkt?“

Wir sind mit unserem Stabilisierungsprogramm für Geflüchtete auf der Fachtagung „Über Grenzen 2026“ vertreten und gestalten zwei Workshops zur psychosozialen Versorgung traumatisierter geflüchteter Menschen.

Termin: 9.–10. November 2026 | Evangelische Akademie Tutzing | mehr Infos

Vortragsreihe: Den Schreck verarbeiten – Traumatische Reaktionen verstehen und traumapädagogische Handlungsideen im Schulkontext entwickeln

In diesem Online-Format treffen sich Vertreter:innen evangelischer und staatlicher Schulen in einem virtuellen Raum. Es erwarten Sie hier vier inhaltlich zusammenhängende Vorträge, die das Thema Trauma, seine Folgen und die traumapädagogischen Grundsätze und Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit traumatisch belasteten (geflüchteten) Kindern für Lehrer:innen und Schulmitarbeiter:innen erörtern und beleuchten.

Termine: 17. November 2026 (Teil 1) | 24. November 2026 (Teil 2) | 15. Dezember 2026 (Teil 3) | 13. Januar 2027 (Teil 4) | online | mehr Infos

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Seminarteilnehmende führen die Butterfly-Übung mit überkreuzten Armen vor der Brust durch und wirken konzentriert.

Aktuelle Seminare und Weiterbildungen

Einführungsseminar Trauma

In diesem Einführungsseminar erhalten Sie grundlegende Kenntnisse in Psychotraumatologie, Neurobiologie und Stressforschung. Sie erfahren, was ein Trauma ist, was in der traumatischen Situation im Gehirn passiert und welche Auswirkungen traumatische Erfahrungen auf Gefühle, Gedanken, das Verhalten und den Körper haben und wie Sie traumasensibel mit Betroffenen umgehen können.

Termin: 9.–11. Oktober 2026 I Tagungszentrum Labenbachhof | mehr Infos

Aufbauseminar Trauma und Seelsorge

In einer ausgewogenen Mischung aus Theorie und Praxis führen wir den spannenden Dialog zwischen Psychotraumatologie und Seelsorge fort. Sie vertiefen Ihr Wissen über die transgenerationelle Weitergabe von Traumata und deren Einfluss auf das Leben von Einzelnen und Gruppen über Generationen hinweg. Zudem werden wir ressourcenorientierte und stabilisierende Techniken der Traumaarbeit erarbeiten, die Ihnen in der seelsorgerlichen Begleitung von Menschen mit schweren Belastungen von Nutzen sein können.

Termin: 26.–29. Oktober 2026 I Tagungszentrum Labenbachhof | mehr Infos

Deeskalation und Selbstschutz in der sozialen Arbeit

Der Umgang mit impulsgestörten und mitunter äußerst aggressiven Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen ist eine Herausforderung in der sozialen Arbeit. In diesem Seminar geht es um ein bindungsorientiertes, traumapädagogisches Sich-Abgrenzen und Deeskalieren. Im gemeinsamen Üben werden wir die Angst vor körperlicher Nähe überwinden und unsere Hilflosigkeit hinter uns lassen.

Termin: 25. November 2026 I Haus eckstein in Nürnberg | mehr Infos

Weiterbildung Integrative Gemeinschaftstherapie

Die Integrative Community Therapy (ICT) ist eine in Brasilien entwickelte, gemeinschaftsbasierte Methode zur Stärkung von Resilienz und sozialer Verbundenheit durch offenen Erfahrungsaustausch in Gruppen. Im Mittelpunkt stehen die Ressourcen der Teilnehmenden sowie gegenseitige Unterstützung. Die Weiterbildung richtet sich an Fachkräfte und Ehrenamtliche aus pädagogischen und sozialen Arbeitsfeldern (z. B. Sozialarbeiter:innen, Lehrkräfte, Erzieher:innen) sowie Mitarbeitende in psychosozialen, kirchlichen und anderen gemeinwesenorientierten Kontexten. Sie eignet sich besonders für Personen, die Interesse daran haben, die Methode der Integrativen Community Therapy in ihren jeweiligen Arbeitsfeldern kennenzulernen, anzuwenden und nachhaltig zu integrieren..

Modul 1: 21.–24. Januar 2027 (Präsenz) I Modul 2: 6.–7. März 2027 (online) I Modul 3: 5.–6. Juni 2027 (online) I Modul 4: 17.–18. Juli 2027 (online) I Modul 5: 2.–3. Oktober 2027 (online) I Modul 6: 14.–17. November 2027 (Präsenz) I Modul 7: 11.–12. März 2028 (online) I Tagungszentrum Labenbachhof | mehr Infos

AUSBLICK 2027: »Unser Körper trägt mit« – Traumasensible Körperarbeit mit den flexiblen Power-Response-Leitlinien

3-teilige Fortbildungsreihe für Fachkräfte, die mit Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen arbeiten. Power-Response ist eine Methode der Körperarbeit, bei der ein zentrales Prinzip der Bewegung im Fokus steht: Aktion und Reaktion. In dieser Fortbildungsreihe lernen Sie, wie Sie durch traumasensible Körperarbeit Menschen dabei unterstützen können, traumabedingte Symptome zu bearbeiten. Durch Power-Response lernen Betroffene, Erstarrungen zu lösen und Flucht- oder Kampfreaktionen gezielt zu kanalisieren. Im Seminar beschäftigen wir uns mit leicht erlernbaren Körperübungen, legen viel Wert auf eigene Körpererfahrungen und erarbeiten praktische Tipps für Ihre tägliche Arbeit.

Modul 1: 26.–28. April 2027 I Modul 2: 16.–18. Juli 2027 I Modul 3: 25.–27. Oktober 2027| Tagungszentrum Labenbachhof | mehr Infos

Vor-Ort-Angebote: Wir kommen zu Ihnen!

Für interessierte Organisationen und Institutionen bieten wir bei Ihnen vor Ort Vorträge, Workshops und Seminare zu folgenden Themen an: Psychotraumatologie, traumapädagogisches Arbeiten mit Kindern und Jugendlichen, Trauma und Seelsorge, Einführung in das Thema Bindung, Selbstfürsorge und Psychohygiene in der Traumaarbeit etc. | mehr Infos

Traumazentrierte Fallsupervision

Die pädagogische und therapeutische Arbeit mit Menschen, die traumatische Erfahrungen gemacht haben, erfordert eine selbstreflektierende und selbststärkende Herangehensweise. In unserer traumazentrierten Fallsupervision reflektieren wir gemeinsam in der Gruppe Ihre Fallbeispiele und analysieren die vorhandenen psychotraumatologischen Dynamiken. Gemeinsam besprechen wir, welche Methoden in der weiteren Begleitung angezeigt wären.

Termine auf Anfrage | mehr Infos

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Collage mit verschiedenen Motiven: Eine Frau umarmt ein Kind, Rosen, Frauen im Gespräch, eine Gruppe auf dem Weg zu einem Denkmal und ein Teamfoto der Stiftung Wings of Hope.

Vielen Dank, dass Sie unsere Friedens- und Traumaarbeit unterstützen!

Maid Alić, Martina Bock, Julia Borchardt, Lucija Lukić Holjan, Regina Miehling, Friederike Regel, Atran Youkhana

Trauma heilen, Frieden stiften, Versöhnung leben.

Ein besonderer Dank geht an unsere Spenderinnen und Spender.
Ohne Sie wäre unsere Arbeit nicht möglich!
Stiftung Wings of Hope Deutschland, Bergmannstraße 46, 80339 München
Tel: 089 50808851 | info@wings-of-hope.de | www.wings-of-hope.de
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