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Stiftung Wings of Hope
Aktuelles
30.06.2021
Liebe:r Freunde und Ehrenamtliche,
liebe Interessierte an der TRAUMAarbeit,
es liegt ein leises Aufatmen in der Luft. Die sinkende Inzidenz und veränderte Regelungen machen wieder mehr persönliche Begegnungen möglich - im Privaten und in unserer Arbeit. Gleichzeitig wird auch deutlicher, welche Auswirkungen die vergangenen 15 Monate auf unsere Gesellschaft haben und welche Herausforderungen uns nun bevorstehen. Es ist wichtig, das Bewusstsein für die Auswirkungen auf die psychische Gesundheit zu schärfen. Wir werfen in diesem Newsletter zunächst einen Blick auf die Situation der Kinder und Jugendlichen. Wie können wir sie unterstützen, mit den Erfahrungen der letzten Monate umzugehen?

Berichten wollen wir von den Stabilisierungstagen für Frauen und Kinder mit Fluchterfahrungen und dem Austausch in unserem Fachkräftenetzwerk. Beides hat uns wieder ganz vielfältig gezeigt, wie wohltuend und bereichernd Gemeinschaft und persönliche Begegnung sein können.

Wir sind zuversichtlich, dass wir im Sommer und Herbst unsere geplanten Seminare und Fortbildungen durchführen können. Einen Ausblick auf anstehende Seminare und Fortbildungen stellen wir im letzten Abschnitt des Newsletters vor.

Wir freuen uns auf persönliche Begegnungen mit Ihnen und Euch!
Was brauchen Kinder und Jugendliche jetzt besonders?
Die Altersgruppe der Kinder und Jugendlichen hat unter den veränderten Lebensbedingungen der letzten Monate besonders gelitten. All das, was zum „Kind sein“ dazugehört: unbeschwertes Spielen miteinander, regelmäßiger Schul- oder Kitabesuch, sichere Bindungserfahrungen im Kreis der (Groß-)Familie - all das war nicht mehr möglich.

Jugend, jene Lebenszeit, die dazu bestimmt ist neue Erfahrungen zu machen, anderen zu begegnen, sich zu verlieben, Abschlussbälle zu feiern, auf Klassenfahrten zu fahren und in diesem Miteinander und mit dieser Gemeinschaft zu wachsen und prägenden Lebenserfahrungen zu machen, war plötzlich von befremdlicher Stille und Einsamkeit geprägt.

Viele Kinder und Jugendliche waren in den letzten Monaten alleine gelassen, sich selbst überlassen, mit Eltern, die selbst ziemlich überfordert waren. Ängste, Motivationsverlust, Antriebslosigkeit, Stimmungsschwankungen, emotionaler Rückzug, unkontrollierbare Wutausbrüche u.v.m. sind nur einige der Beschwerden, unter denen viele Kinder und Jugendliche in Folge dessen heute leiden.  

Welche Angebote brauchen jetzt Kinder und Jugendliche, damit die Belastungen, die durch erschwerte Lebensbedingungen in der Corona-Pandemie entstanden sind, gelindert werden? Vor allem die Frage, wie wir Kinder und Jugendliche dabei heilsam unterstützen und fördern können, beschäftigt uns bei der Stiftung Wings of Hope aktuell.

Wir wissen: Kinder und Jugendliche brauchen Liebe, Vertrauen und Geduld, Nähe und Geborgenheit, Zeit zum Spielen/Erfahrungen sammeln, Spaß haben, Umarmungen, Zuhörer:innen, Geschichtenleser:innen, Chancen, Fehler zu machen und etwas nochmal zu versuchen, Helden und Heldinnen, Zeit zum Staunen, Platz zum Wachsen, bunte Träume, Freude, Erfolge, Unterstützung.

„Das Spiel ist die höchste Form der Forschung“, hat vor vielen Jahrzehnten schon Albert Einstein gesagt. Wenn Kinder spielen, gewinnt die Welt!

Deshalb laden wir in den ersten drei Tagen der bayerischen Schulsommerferien 30 Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren aus den Gemeinden Ruhpolding und Inzell auf den Labenbachhof in Ruhpolding ein, um sie zu unterstützen, Belastungen, die durch erschwerte Lebensbedingungen in der Corona-Pandemie entstanden sind, zu lindern.

„Kleine Weltentdecker auf der Suche nach ihren Schätzen“ nennen wir diese drei Ferienressourcentage. Drei Tage lang einfach raus in den Wald und die herrliche Natur, gemeinsam Spielen, Neues lernen, Spaß und Freude haben.

Im unbeschwerten Spiel und unbelasteten Umgang miteinander erleben Kinder wieder Sicherheit und haben die Gelegenheit, wieder Freude und Lebenslust zu spüren und positive Erfahrungen, auch im Umgang mit anderen Kindern zu machen. Sie nehmen vorrangig an erlebnispädagogischen Aktivitäten teil, verbringen sehr viel Zeit draußen im Wald und erleben in wertschätzender Umgebung sichere Räume, positive Lebenserfahrungen und üben soziale Kompetenzen. Sie erlernen auch neue Möglichkeiten der Stressregulation und entwickeln Ideen für kreative Aktivitäten in der Zukunft.

Lucija Lukić Holjan
Sechs Tage durchatmen und die innere Balance stärken
Stabilisierungs- und Ressourcentage für Frauen und Kinder mit Fluchterfahrungen
Stabilisierungs- und Ressourcentage für Frauen und Kinder mit Fluchterfahrungen
Im Zeitraum vom 24. bis zum 29. Mai 2021 haben wir als Stiftung Wings of Hope auf dem Labenbachhof in Ruhpolding zum ersten Mal die Stabilisierungs- und Ressourcentage für Frauen und Kinder mit Fluchterfahrungen durchgeführt. Acht Frauen und 14 Kinder im Alter zwischen vier und zwölf Jahren nahmen daran teil. In diesen sechs Tagen haben wir sie dabei unterstützt, ihr inneres Gleichgewicht zu verbessern und weniger aufgeregt, weniger traurig oder erstarrt zu sein.

Die eingeladenen Frauen und Kinder kommen ursprünglich aus dem Irak, Iran, Afghanistan, Äthiopien und Syrien und leben derzeit in Nürnberg, im Landkreis Traunstein und Rosenheim. Unser Ziel ist es, mit diesem und weiteren solchen Angeboten, geflüchteten Frauen und ihren Kindern zu helfen, traumatische Belastungen, die möglicherweise auf der Flucht oder im Heimatland entstanden sind, zu lindern. Wir wünschen uns, dass sie dadurch mit mehr innerer Stabilität leichter in unserer deutschen Gesellschaft ankommen können.

Die Kinder verbrachten viel Zeit draußen beim erlebnispädagogischen und ressourcenorientierten Angebot. Für sie waren diese Tage etwas ganz Besonderes, überhaupt für ihr Leben und ganz besonders nach dieser Corona-Enge überall. Endlich trafen sie wieder Kinder in der Gruppe zum Spielen. Das Wetter brachte leider sehr viel Regen, aber alle gingen tapfer raus, machten mit bei Regenausflügen mit Wanderung und beim wilden Spielen auf dem Gelände des Labenbachhofs. „Nass werden ist ja nicht schlimm!“

Die Frauen waren sehr interessiert und machten bei allem mit. Es waren starke Frauen, mit viel Power, die man besonders beim Tanzen und bei unserem Tanztherapie-Workshop spüren und erleben konnte.

Durch praktische Übungen zum seelischen Auftanken und zur Stressregulation konnten sie teilweise nach Jahren zum ersten Mal wieder (mehr) Sicherheit und Lebensfreude spüren. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Trauma war offen und emotional sehr intensiv, doch stets von einem sehr wertschätzendem, wohlwollendem, respekt- und liebevollem Miteinander geprägt. Besonders die Erfahrung der (Frauen-)Gemeinschaft hatte für die Teilnehmerinnen eine heilsame Wirkung. Neue Freundschaften sind entstanden und die Ressourcenkisten konnten mit vielen neuen positiven Lebenserfahrungen aufgefüllt werden.

„Ich konnte hier nach vielen Jahren endlich wieder weinen und der Stein, der in meinem Herzen war, liegt jetzt in meiner Hand.“

„Ich hatte Angst vor Menschen, denn ich habe gedacht, dass alle böse sind. Aber seit ich hier mit euch war, weiß ich, dass es auch gute Menschen gibt. Das gibt mir Kraft, Hoffnung und ein neues Lebensgefühl. Es gibt böse, aber auch gute Menschen.“

„Ich habe mich immer alleine gefühlt – jetzt habe ich euch getroffen und bin nicht mehr alleine.“

…sind einige der Rückmeldungen, die wir bekommen haben. Das hat uns, das fünfköpfige Team von traumatherapeutisch-pädagogisch ausgebildeten Fachkräften hoffnungsfroh und glücklich gemacht, dass unsere Begleitung nachhaltig wirksam geworden ist. Finanziert wurde dieses Angebot überwiegend aus Spendengeldern unserer treuen Spender:innen und aus dem Fördertopf des Fördervereins. Wir sagen herzlichen Dank dafür!

Die nächsten Stabilisierungs- und Ressourcentage für Frauen und Kinder mit Fluchterfahrungen finden vom 2.-7. November 2021 (bayerische Schulherbstferien) statt.

Regina Miehling
Fachkräftenetzwerk-Treffen auf dem Labenbachhof

„Ich gehe wirklich satt nach Hause. Nicht nur mein Magen, sondern und vor allem mein Herz, mein Körper und Geist fühlen sich satt! Es war sehr belebend und ich konnte viel neue Kraft tanken“, sagte eine Kollegin in der Abschlussrunde nach dem Wochenende unseres Fachkräftenetzwerkes vom 11.-13. Juni 2021 auf dem Labenbachhof.

Entstanden ist dieses Netzwerk vor zwei Jahren, als wir merkten, dass unser Team viele Ideen und Anfragen nicht alleine würde umsetzen können. Wir luden Kolleg:innen aus der Trauma- und Friedensarbeit ein, im Netzwerk von Wings of Hope mitzuarbeiten. Einmal jährlich laden wir die Mitglieder des Netzwerkes für ein Wochenende auf dem Labenbachhof ein, um uns auszutauschen, von unserer Arbeit zu berichten und gemeinsam Ideen zu entwickeln. Alle bringen ihre unterschiedlichen Kompetenzen und Perspektiven ein, was uns und unsere Arbeit sehr bereichert.

Für viele, auch für uns war nun dieses Juni-Wochenende das erste Treffen wieder in Präsenz nach dem Lockdown. Etwas unsicher waren wohl alle - wie wird das werden?

Thematisch beschäftigten wir uns mit dem Thema der kollektiven Traumata. Was versteht man eigentlich unter diesem Begriff und wie wirken sich Traumata auf Gruppen und Gesellschaften aus? Es entstand ein intensiver Austausch, auch zur aktuellen Situation in unserer Gesellschaft und zu dem, was wir jetzt brauchen. Was können wir einer Spaltung in der Gesellschaft entgegensetzen? Welche Angebote brauchen v.a. Kinder und Jugendliche jetzt? …waren Fragen, mit denen wir uns beschäftigten. Am Sonntag arbeiteten wir dann an einigen Ideen, wie einer Fachkonferenz zum Thema Kollektive Traumata und tauschten uns zu Stabilisierungsgruppen und Angeboten der Psychoedukation aus.

Auch unsere Ressourcen konnten wir auffüllen- beim Bogenschießen, durch Körperarbeit mit dem Power-Response-Training, kreativen Methoden und natürlich vor allem durch den Austausch und das Spüren von Gemeinschaft mit anderen.

Martina Bock


Seminar-, Weiterbildungs- und Supervisionsangebote 2021/2022
Wir möchten Sie und Euch auf unser Jahresprogramm 2021 der Seminare und Fortbildungen hinweisen. Darin gibt es interessante und neue Angebote.

Neben dem bereits bestehenden Seminarangebot zu Trauma und Seelsorge bieten wir zum ersten Mal einen Fachtag zum Thema „Traumasensible Seelsorge – Chancen und Herausforderungen einer christlichen Begleitung von Menschen mit traumatischen Erfahrungen“ an. Dieser findet am 15. Oktober 2021 in Nürnberg statt.

Seelsorger:innen begegnen in ihrem Tätigkeitsfeld nicht selten Menschen, die unter Traumafolgen leiden. Die christliche Seelsorge kann hier einen wichtigen Beitrag leisten, wenn Seelsorger:innen die Dynamik von Traumata erkennen, berücksichtigen und traumasensibel handeln. An diesem Fachtag vermitteln wir grundlegendes Wissen darüber, was ein Trauma charakterisiert, welche seelischen und körperlichen Folgen möglich sind und was eine traumasensible Seelsorge kennzeichnet. Herzliche Einladung dazu! Mehr Informationen dazu finden Sie im Flyer.

Ganz neu im Programm haben wir das Seminar „Du verhältst Dich normal, für das, was Du erlebst hast“. Dies ist ein Vertiefungsseminar für Traumapädagog:innen und alle, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, die von traumatischen Erfahrungen aus der Bahn geworfen wurden. Wie man diese verletzten Kinderseelen unterstützen kann und ihnen helfen kann, mehr Selbstwirksamkeit zu empfinden, sind die zentralen Inhalte dieser 4 Seminartage (Seminarflyer).

Im März 2022 werden wir ein weiteres Trauma-Fortbildungscurriculum in den Fachbereichen Traumapädagogik, Traumaberatung und Traumatherapie starten.
Diese Weiterbildung zeichnet sich durch eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Trauma aus und nimmt sich Zeit, traumapädagogische und -therapeutische Methoden zu vertiefen. In den einzelnen Modulen werden Erkenntnisse der Neurobiologie, der Bindungs- und Traumaforschung mit dem traumazentrierten und ressourcenorientierten Ansatz des KReST-Modells (nach Lutz Besser) verbunden. Dazu gehören auch entwicklungspsychologische und systemische Aspekte. In Form von anschaulichen Präsentationen, Übungen und Live-Demonstrationen werden die Inhalte praxisnah von Modul zu Modul aufeinander aufbauend vermittelt. Der interdisziplinäre Ansatz und die berufsgruppenübergreifende Arbeit haben sich bewährt und sind für die Teilnehmer:innen erfahrungsgemäß sehr gewinnbringend. Die Verarbeitung von Traumata und die Begleitung Betroffener braucht Zeit – eine Ausbildung dafür auch!

Das achtteilige Trauma-Fortbildungscurriculum wird von der Stiftung Wings of Hope in Kooperation mit dem Zentrum für Psychotraumatologie und Traumatherapie Niedersachsen (zptn) durchgeführt und richtet sich an Fachkräfte in sozialen Arbeitsfeldern. Alle wichtigen Informationen sind im Flyer enthalten. Wir freuen uns über rege Nachfragen zum Curriculum oder werbende Unterstützung.

Wer schon einmal etwas ins Thema hineinschnuppern möchte und sich für die Dynamik von hochbelastenden Lebensereignissen (Traumata) interessiert und für deren häufig langanhaltende Auswirkungen, dem sei das „Einführungsseminar Trauma“ im Oktober empfohlen (mehr Infos hier). Dies richtet sich aber nicht nur an Menschen aus sozialen Berufen, sondern an alle Interessierten. Wir möchten damit einen Beitrag leisten für eine „traumainformierte Gesellschaft, die im Bewusstsein dessen an ihrer Resilienz arbeiten kann.

Regina Miehling

„Du verhältst Dich normal, für das, was Du erlebt hast“
Verletzte Kinderseelen unterstützen - Traumaarbeit mit Kindern - Pädagogik der Selbstbemächtigung
Vertiefungsseminar für angehende/abgeschlossene Traumapädagog:innen und Berater:innen
vom 27. - 30. September 2021 am Labenbachhof in Ruhpolding | mehr Infos

„Einführungswochenende Trauma“
Für Interessierte und Menschen in helfenden Berufen
vom 08. - 10. Oktober 2021 am Labenbachhof in Ruhpolding | mehr Infos

„Deeskalation und Selbstschutz in der sozialen Arbeit"
Fortbildung für Mitarbeiter:innen in sozialen Arbeitsfeldern
am 12. Oktober 2021, Haus eckstein in Nürnberg | mehr Infos
Fachtag „Trauma und Seelsorge“
Für Hauptberufliche und Ehrenamtliche in seelsorgerlichen Tätigkeitsfeldern in Diakonie und Kirche
am 15. Oktober 2021, Haus eckstein in Nürnberg | mehr Infos...

„… und er führte sie aus Finsternis und Dunkel - Trauma und Seelsorge“
3-teilige Fortbildungsreihe für Seelsorger:innen
09. - 12. November 2021, 04. - 07. April 2022
am Labenbachhof in Ruhpolding | mehr Infos

„Trauma-Fortbildungscurriculum 2022 - 2024“
Das achtteilige Trauma-Fortbildungscurriculum in Kooperation mit dem Zentrum für Psychotraumatologie und Traumatherapie Niedersachsen (zptn) richtet sich an Fachkräfte in sozialen Arbeitsfeldern
startet mit dem 1. Modul im März 2022 | mehr Infos

… zu finden hier, Rubrik ‚Seminare‘ und ‚Weiterbildungen‘.


… und wenn Sie weitere Interessierte kennen, die Sie für das Thema Trauma und Weiterbildungen gewinnen können, leiten Sie diese Nachricht bitte gern weiter.
Vielen Dank!
Imke Mentzendorff, Maid Alić, Atran Youkhana
aus der WoH Geschäftsstelle in München
Martina Bock, Regina Miehling und Lucija Lukić Holjan aus den WoH Büros in Nürnberg und in Ruhpolding
Trauma heilen, Frieden stiften, Versöhnung leben.
Wir danken herzlich den Spender:innen und Zuschussgeber:innen,
ohne die unsere Arbeit nicht möglich ist. Weiteres erfahren Sie hier.
Absender des Newsletters: Stiftung Wings of Hope Deutschland, Bergmannstraße 46, 80339 München
Tel: 089-50808851 | info@wings-of-hope.de | www.wings-of-hope.de

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