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Stiftung Wings of Hope
Aktuelles
03.05.2021
Liebe:r Freunde und Ehrenamtliche,
liebe Interessierte an der TRAUMAarbeit,
nun haben wir bereits Mai und das Jahr fühlt sich noch immer nicht so an, wie wir es kennen. Und das liegt sicherlich nicht nur an den winterlichen Temperaturen, die wir hier in Bayern noch immer haben.

Wir bleiben im Rhythmus und melden uns mit neuen Informationen. Wir berichten über die Seminare und von den Veranstaltungen, die stattgefunden haben. Zu Beginn stellen wir Ihnen in einem Interview unsere Partnerorganisation ‚Progres‘ in Sarajevo vor.
Unser Partner in Bosnien und Herzegowina, der Bürgerverein ‚Progres‘
Unser Partner in Bosnien und Herzegowina, der Bürgerverein ‚Progres‘

Bei unserem Partner ‚Progres‘ in Bosnien und Herzegowina gibt es personelle Veränderungen. Elvir Čauśević, der zunächst bei Wings of Hope Krila Nade Sarajevo gearbeitet hatte, dann 2010 den gemeinnützigen Bürgerverein nach bosnischem Recht ‚Progres‘ mitgründete und seitdem dort die Geschäfte führt, wird seine Tätigkeit beenden.
(von links nach rechts: Azra Frlj, Elvir Čauśević, Sanja Čović, Ermina Ikanović, Aufnahme aus dem Jahr 2020)

In einer emotionalen Online-Verabschiedung haben wir mit ihm noch einmal auf die vielen Jahre der gemeinsamen Arbeit seit 2003 zurückgeschaut und uns für sein großes Engagement bedankt.

Die Arbeit geht aber natürlich weiter und wird von einem Team von 3 Frauen fortgeführt. Wir haben Azra Frlj, Sanja Čović und Ermina Ikanović zur aktuellen Situation in Bosnien und Herzegowina und der Arbeit von Progres interviewt.

Wie ist die aktuelle Situation in Bosnien und Herzegowina? Welche Auswirkungen der Pandemie seht ihr in eurer Gesellschaft?

Azra: Wie jedes andere Land hat Bosnien und Herzegowina seit März 2020 viele Probleme aufgrund von COVID-19. Während viele Länder weltweit langsam aber sicher den Weg aus dieser Situation finden, sind wir noch mitten auf dem Höhepunkt. Die Menschen, die Wirtschaft, das Gesundheits- und Bildungssystem sind sehr am Limit und tun sich schwer, einen Weg zu finden, um mit den Risiken und Hindernissen fertig zu werden. Die Auswirkungen sieht man in verschiedenen Bereichen, wie einer erhöhten Arbeitslosenquote und mangelhafter Gesundheitsfürsorge. Es gibt jetzt, nach mehr als einem Jahr in dieser Situation, immer noch keine systematische Herangehensweise an die Situation von COVID-19, die uns, den Bürger:innen, das Gefühl gibt, sicher zu sein und optimistisch zu sein, dass wir gute Perspektive für die Zukunft haben.

Ermina: Ja, die Situation ist immer noch unsicher, da die Zahlen der an Corona infizierten und verstorbenen noch stark schwanken. Es ist etwas besser geworden im Vergleich zum letzten Jahr, aber die Lage ist noch sehr angespannt für die Menschen. Es sind alle Bereiche der Gesellschaft betroffen und die Pandemie hat u.a. auch Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Menschen, auf die finanzielle Situation und die Bildung.

Sanja: Die Situation ist auch unsicher, was die Frage der Impfungen anbelangt. Die Menschen fühlen sich hilflos und leben in dauernder Angst, was nun als nächstes passieren wird. Unsere Politiker:innen nutzen jede Situation aus, um die Bevölkerung zu manipulieren, in dem sie ständig die nationalen Interessen betonen.

Azra, Du und ‚Progres‘ arbeitet ja vor allem in der Friedensarbeit mit jungen Menschen. Wie beeinflusst die aktuelle Situation eure Arbeit?

Azra: Die gegenwärtige Situation wirkt sich erheblich auf die Jugendlichen und die Jugendarbeit aus. Sie hat die individuellen Gewohnheiten von Jugendlichen und die Jugendarbeit zwangsweise vollständig verändert. Wir haben versucht uns anzupassen und bieten den Jugendlichen nun auf verschiedenen Plattformen und Kommunikationskanälen Unterstützung und Mitbestimmungsmöglichkeiten an. Die Mobilität von Jugendlichen, sich zu vernetzen und zu treffen, an der wir in der Jugendarbeit so lange gearbeitet haben, ist jetzt sozusagen eingestellt worden. Genauere Ergebnisse und Auswirkungen, die ja schwer zu messen sind, werden wir sicherlich erst mit etwas Abstand in einigen Monaten sehen.

Was macht ihr persönlich, um euch in diesen Zeiten zu stabilisieren?

Azra: Diese Situation forderte von jedem Einzelnen von uns über die eigenen Ressourcen nachzudenken. Sie machte uns zwangsweise unsere Stärken und Schwächen bewusst. Stärken sind für mich vor allem die Beziehungen, die wir zu Menschen aufgebaut haben. Es ist aber auch eine Herausforderung diese zu pflegen, wenn man in Familien z.B. räumlich nicht nahe sein konnte. Wichtig war für mich, mir eine neue tägliche Routine zu organisieren, den Arbeitstag neu zu strukturieren, um das zu tun, was wir für die Jugendlichen und die Arbeit mit ihnen wichtig für notwendig hielten. Hier galt es kreativ zu sein. Die Bedrohung machte uns vorsichtiger und verantwortungsbewusster für uns und andere. All dies war und ist ein Lernprozess für jeden Einzelnen, so auch für mich.

Sanja: Vom Beginn der Pandemie an habe ich versucht meine Kontakte auf einige wenige zu reduzieren, die mir aber sehr wichtig sind. Ich nutze meine freie Zeit vor allem, um in die Natur zu gehen. Und dann lese ich auch viel oder schaue Filme und Fernsehshows.

Ermina: Ich versuche meine Zeit besser zu organisieren und die freie Zeit so gut wie möglich zu verbringen. Wenn ich drei Worte wählen könnte, die mich stabilisieren, dann wären das: Religion, Familie und Natur. Ich versuche, so oft wie möglich in die Natur und in die Berge zu gehen, das gibt mir viel Energie und hilft, um mich besser zu fühlen. Außerdem versuche ich, so viel wie möglich positiv zu denken.  

Ermina, du hast letztes Jahr begonnen für ‚Progres‘ zu arbeiten, bist sozusagen die Neue im Team. Was ist deine Motivation für diese Arbeit?

Ermina: Meine Motivation für diese Art der Arbeit liegt darin, dass ich durch diese Arbeit die Chance habe, junge Menschen zu stärken und eine bessere Perspektive für junge Menschen und Erwachsene in unserem Land aufzubauen. Die Arbeit ist mir wichtig, weil ich weiß, dass sie einen guten Beitrag für jemand anderen leisten wird.
Bei Progres verändert sich gerade viel. Elvir beendet seine Tätigkeit und Ihr plant neue Projekte. Wo seht Ihr die Herausforderungen und welche Hoffnung habt Ihr für die Zukunft?

Azra: Ich spreche hier aus zwei verschiedenen Perspektiven. Zum einen in meiner professionellen Rolle als Jugendarbeiterin und zum anderen aus einer persönlichen, nämlich als jemand, die als Jugendliche in die Arbeit und Vision von Progres hineingewachsen ist, die von Elvir begründet und so viele Jahre lang begleitet wurde. Elvirs Rückzug ist eine Veränderung, die wir respektieren und das Erbe, das er hinterlässt, ist unschätzbar. Ich bin wirklich dankbar und stolz darauf, die Möglichkeit zu haben, den Weg von Progres weiter zu gehen. Das bringt neue Herausforderungen, aber auch Chancen, die wir hoffentlich nutzen werden. Wir wollen unsere Vision durch unsere Arbeit fortzusetzen und weiterzuentwickeln.

Sanja: Herausforderungen gibt es viele. Wir als Team haben uns neu sortiert und versuchen nun mit der Situation umzugehen. Die größte Herausforderung ist es, auch in der Pandemie Projektgelder zu finden. Wir hoffen, dass das was wir gerade dafür machen hoffentlich auch bald Ergebnisse bringt. Eine weitere Herausforderung ist die Struktur des Vereins neu aufzustellen. Hier sind wir aber auf einem guten Weg. Was uns antreibt und motiviert ist, dass wir die sehr gute und anerkannte Arbeit der letzten Jahre von Progres fortsetzen wollen und die Unterstützung, die wir von Wings of Hope aus Deutschland bekommen.

Vielen Dank, liebe Kolleg:innen, für euren Bericht.
Martina Bock

Glaube in verletzlichen Zeiten
Beitrag zur Frühjahrstagung 2021 am 23.3.2021
Landessynode der Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern
Martina Bock auf der ELKB Synode
Die Synode hat an ihrem Thementag am 23.03.2021 unterschiedliche Perspektiven auf die Corona Pandemie und ihre Auswirkungen betrachtet und den Blick zu weiten. Martina Bock konnte dabei Impulse aus Sicht einer Traumapädagogin einbringen. In den Zeiten der Pandemie werden wir alle mit unserer Verletzlichkeit konfrontiert. Und trotzdem ist die Pandemie nicht die große Gleichmacherin.

Wir können auf unterschiedliche Ressourcen zurückgreifen - materielle Ressourcen und psychische Ressourcen.

Wer diesen Impuls nachlesen oder eine Zusammenfassung anschauen will, findet Unterlagen hier.

… und er führte sie aus Finsternis und Dunkel
Fortbildungsreihe Trauma und Seelsorge

Im Rahmen der Fortbildung "Trauma und Seelsorge" begeben wir uns in den spannenden Dialog zwischen Psychotraumatologie und Theologie. Die seelsorgerliche Begleitung von Menschen mit schweren Belastungen kann unterstützt werden durch die Erkenntnisse der ressourcenorientierten Traumatherapie. Gleichzeitig schöpft die Seelsorge aus den Heilsbildern des Glaubens und den biblischen Deutungen traumatischer Erfahrungen. Es ist eine Fortbildung für Menschen in seelsorgerlichen Berufen bei Kirche und Diakonie.

Dreizehn Teilnehmer:innen beschäftigten sich im ersten Modul mit den Themen Resilienz, Ressourcen, Rolle und Selbstverständnis der Seelsorger:in, Neuroplastizität, Trauma und traumatische Zange. Neben theoretischen Einheiten wurden Kleingruppengespräche und Einzelerfahrungseinheiten eingebaut und zur Aktivierung auch kleinere Körperübungen vorgestellt.

Nachdem wir den Beginn unserer dreiteiligen Fortbildungsreihe "Trauma und Seelsorge" 2020 wegen der Corona-Pandemie zwei Mal verschieben mussten, haben wir jetzt im online Format am 26. und 27. April begonnen.

„Danke, es war sehr inspirierend!“
„Für ein Videoformat erstaunlich viel Gewinn!“,
„Informativ und abwechslungsreich; praktisch orientiert.“
„Danke! Ich freue mich auf die Fortsetzung im Herbst“

sind nur einige der Rückmeldungen, die wir von den Teilnehmer:innen zum Modulabschluss bekommen haben. Wir freuen uns, eine gute Möglichkeit gefunden zu haben, das Modul trotz aktueller Umstände erfolgreich umsetzen zu können. Dafür und für das entgegengebrachte Vertrauen und Interesse bedanken wir uns an dieser Stelle noch einmal bei der gesamten Gruppe!
Lucija Lukić Holjan

Online Fortbildungsmodul des Traumacurriculums 2019-2022
vom 21. bis 24. April

Auch wenn wir alle etwas online-müde sind, so war es doch sehr gut, dass wir das sechste Modul des Traumacurriculums im April wegen des Lockdowns zumindest online durchführten und wir intensiv und gewinnbringend in der Gruppe weiterarbeiten konnten.

Langanhaltende sogenannte sequenzielle Traumatisierung und deren komplexe Folgen für die Persönlichkeit der Betroffenen waren das Thema. Es ist erschütternd, wieviel Verwahrlosung und Gewalt Kinder häufig ertragen müssen, und beachtlich, welche kreativen Überlebensstrategien diese entwickeln können. Leider belasten so entstandene Verhaltensmuster ihr Leben stark und langanhaltend.

Um diese Dynamik verstehen zu können, braucht es die Auseinandersetzung mit der Theorie der Ego-State Arbeit und der Inneren Bühne. Vor allem für die Mitarbeitenden aus Jugendhilfeeinrichtungen ist dieses Wissen hilfreich. Sie können ihre Kinder und Jugendlichen besser verstehen und unterstützen. Die Teilnehmer:innen waren beeindruckt, wie diese erweiterte Sichtweise auf die „guten Gründe“, auch von schwierigem Verhalten, neue Perspektiven des Umgangs eröffnen. Das ist eines der wesentlichen Ziele unserer traumapädagogischen und –therapeutischen Weiterbildungsarbeit.
Regina Miehling

Im März 2022 startet das neue Trauma-Fortbildungscurriculum 2022-2024.
Nähere Informationen und den Fortbildungsflyer finden Sie hier.


Fort-, Weiterbildungs- und Supervisionsangebote 2021
Unsere Jahresübersicht finden Sie hier.
„Deeskalation und Selbstschutz in der sozialen Arbeit"
Fortbildung für Mitarbeiter:innen in sozialen Arbeitsfeldern
am 14. Juni 2021, am Labenbachhof in Ruhpolding |
mehr Infos
am 12. Oktober 2021, Haus eckstein in Nürnberg | mehr Infos
„… und er führte sie aus Finsternis und Dunkel - Trauma und Seelsorge“
3-teilige Fortbildungsreihe für Seelsorger:innen
09. - 12. November 2021, 04. - 07. April 2022
am Labenbachhof in Ruhpolding | mehr Infos

„Du verhältst Dich normal, für das, was Du erlebt hast“
Verletzte Kinderseelen unterstützen - Traumaarbeit mit Kindern - Pädagogik der Selbstbemächtigung
Vertiefungsseminar für angehende/abgeschlossene Traumapädagog:innen und Berater:innen
vom 27. - 30. September 2021 am Labenbachhof in Ruhpolding | mehr Infos

„Einführungswochenende Trauma“
Für Interessierte und Menschen in helfenden Berufen
vom 08. - 10. Oktober 2021 am Labenbachhof in Ruhpolding | mehr Infos

Fachtag „Trauma und Seelsorge“
Für Hauptberufliche und Ehrenamtliche in seelsorgerlichen Tätigkeitsfeldern in Diakonie und Kirche
am 15. Oktober 2021, Haus eckstein in Nürnberg | mehr Infos...

Traumazentrierte Supervision
für alle, die in pädagogischen und therapeutischen Arbeitsfeldern auf Menschen mit traumatischen Erfahrungen treffen bieten wir professionelle Supervision an |
am 28. Juni 2021, Haus eckstein in Nürnberg oder nach Anfrage

… zu finden hier, Rubrik ‚Seminare‘ und ‚Weiterbildungen‘.


Mögen viele Begegnungen und ein unbeschwerteres Miteinander bald wieder möglich sein. Ein Aufbruch dank mehr Sonnentage und längeren Tagen ist schon jetzt zu spüren!

… und wenn Sie weitere Interessierte kennen, die Sie für das Thema Trauma und Weiterbildungen gewinnen können, leiten Sie diese Nachricht bitte gern weiter.
Vielen Dank!
Imke Mentzendorff, Maid Alić, Atran Youkhana
aus der WoH Geschäftsstelle in München
Martina Bock, Regina Miehling und Lucija Lukić Holjan aus den WoH Büros in Nürnberg und in Ruhpolding
Trauma heilen, Frieden stiften, Versöhnung leben.
Wir danken herzlich den Spender:innen und Zuschussgeber:innen,
ohne die unsere Arbeit nicht möglich ist. Weiteres erfahren Sie hier.
Absender des Newsletters: Stiftung Wings of Hope Deutschland, Bergmannstraße 46, 80339 München
Tel: 089-50808851 | info@wings-of-hope.de | www.wings-of-hope.de

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