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Stiftung Wings of Hope
Aktuelles
16.01.2021
Liebe*r Freunde und Ehrenamtliche,
liebe Interessierte an der TRAUMAarbeit,
in diesen Tagen war Herbstanfang. Die Sommertage haben geholfen, Sonne zu tanken, unterwegs zu sein, Menschen zu treffen und wiederzusehen. Die Unterbrechung des vertrauten Alltags - durch Grenzschließungen, Separationen, Abschottungen, Quarantänen – führte nicht zu einem Abschaffen der Verbindungen. Sondern auch zu einer Neuorganisation der Schaltpläne im Gehirn, der Konnektome.

Seit etwa sechs Monaten hat die Corona-Pandemie unseren Alltag fest im Griff. Corona bedeutet vor allem Distanz. Der Taschen-Check, bevor wir das Haus verlassen, wurde durch zwei weitere Artikel erweitert: Handy, Schlüssel, Portemonnaie ... Desinfektionsmittel und Maske. Das ist inzwischen unsere Standardausstattung, aber auch unsere Verhaltensweisen sind neu.

Wir lenken unseren Blick auf das, was uns möglich ist: den Kontakt zu unseren Partnern in den Projektländern, unsere Projektarbeit und die Fortbildungen. Wir freuen uns, wenn Interessierte sich melden und erstaunt feststellen - ja unsere Fortbildungen finden statt.

One Day of Summer Academy
In diesem Jahr konnte zum ersten Mal die jährliche 14-tägige Sommerakademie für interkulturellen Dialog aufgrund der Kontakt- und Reisebeschränkungen nicht stattfinden. Um die Teilnahme von Jugendlichen aus den fünf Projektländern an einer Initiative und einen Austausch trotzdem zu ermöglichen, fand am 15. August der virtuelle „One Day of Summer Academy“ statt. Dazu haben wir Teilnehmer*innen aus Bosnien-Herzegowina, der Kurdischen Autonomieregion des Irak, Palästina, Israel und Deutschland eingeladen, die in den vergangenen Jahren an unserer Sommerakademie schon teilgenommen haben. Für den Tag organisierten wir fünf Einheiten, an denen 30 Jugendliche teilnahmen.

Der Tag begann ganz in der Tradition der Sommerakademie mit einem interreligiösen Impuls zum Thema „Solidarität“. Anschließend haben die Teilnehmer*innen in Gruppen über aktuelle Entwicklungen in ihren Ländern eine Präsentation erarbeitet und vorgestellt. Dabei konnten wir erfahren, wie die Teilnehmer*innen das Leben zur Zeit der Corona-Pandemie erleben und welche aktuellen politischen Entwicklungen für sie wichtig sind. Sie berichteten, dass diese aufgrund der aktuellen Situation in den Hintergrund geraten sind und die erwünschte internationale Aufmerksamkeit auf die notwendige Friedensarbeit vor Ort geschrumpft ist. In der Einheit „World Café“ wurden in drei Gruppen die Themen "BlackLivesMatter und Erinnerungsarbeit", "Kultur & Konflikt" und "Auswirkungen der Pandemie auf den Aktivismus der Jugendlichen und die Zeit danach" diskutiert. Nach intensiver Arbeit und Austausch hat unser Kollege und Trainer Dieter Mayer eine Qi-Gong-Einheit geleitet, bevor wir mit den Teilnehmer*innen den Einfluss der Sommerakademie auf uns in Bildern und Kollagen erarbeitet haben. Der Tag klang aus mit einer Zoom-Party.

Dieses Experiment ist geglückt. Zum ersten Mal nutzten wir dieses Medium, um einen gemeinsamen Raum für Jugendliche aus fünf Ländern zu schaffen und um viele Stunden mit so vielen Freunden aus der Sommerakademie zu gestalten! Der Tag war durch eine vertrauensvolle Atmosphäre gekennzeichnet und die Verbundenheit und Solidarität konnten zwischen uns verstärkt und intensiviert werden, bevor die Arbeit in den lokalen Netzwerken wieder normal durchgeführt werden kann. Dieser Online-Event konnte nur ein kleiner Ersatz für die Sommerakademie sein. Das gemeinsame Erleben und Arbeiten in einer großen Gruppe über zwei Wochen kann online nicht ersetzt werden. Trotzdem erlebten wir an diesem Tag Vertrauen, Nähe, Inspiration, Akzeptanz und Kreativität. Ein Teilnehmer aus der Kurdischen Autonomieregion des Irak sagte: "This was the best day during quarantine". Eine Teilnehmerin aus Bosnien und Herzegowina fügte hinzu: "Thank you for this day. I could immediately feel the energy of the Summer Academy". Presseecho: "World Café & Zoom-Party"
Atran Youkhana

Schutz und Sicherheit durch feinfühlige Bindungen
Ein bindungsorientierter Blick auf uns und was wir brauchen in Zeiten der Verunsicherung durch die Corona-Pandemie
„Halten Sie Abstand! Treffen Sie sich nicht mit anderen außerhalb Ihres Hausstands, berühren Sie sich nicht! All das könnte gefährlich sein …“ Solche oder ähnliche Hinweise hören wir leider derzeit allerorten auf Grund der hohen Ansteckungsgefahr bei Covid 19. Und es ist tatsächlich notwendig, sich zu schützen, weil dieses Virus tückisch von Mensch zu Mensch übertragen wird, schlimme Erkrankungen nach sich ziehen kann und weil es neben Abstand halten und Maske tragen noch keine anderen wirklich wirksamen Schutzmöglichkeiten gibt. Gleichzeitig wird auch eines unserer grundlegendsten Bedürfnisse damit angegriffen: unser Bindungsbedürfnis.

Bindung ist die emotionale Nahrung
„Die Fähigkeit, sich in der Gegenwart anderer Menschen sicher zu fühlen, ist wohl der wichtigste Aspekt menschlicher Gesundheit“ sagt Bessel van der Kolk, amerikanischer Traumatherapeut. Und dieses sich Sicher-fühlen ist nun infrage gestellt.
Bindung ist die emotionale Nahrung, die uns am Leben hält. Um zu überleben, braucht ein neugeborenes Kind Schutz und Sicherheit durch Bindungspersonen und ist darum mit einem Bindungsverhaltenssystem ausgestattet. Wenn es beunruhigt ist - hungrig, durstig, nass oder in Not - wird dieses System aktiviert und der Bindungsalarm geht an. Der innere Stress geht hoch und das kleine Wesen ist höchst aktiviert und alarmiert. Jetzt braucht der kleine Mensch ein feinfühliges Gegenüber, eine Sicherheit gebende Bindungsperson, die ihm hilft, den Stress zu regulieren, das Problem zu lösen und ihn beruhigt. Dafür braucht es einen feinfühligen Blick- und Körperkontakt, Zugewandtheit und Ruhe. Passiert dies nicht, kommt das Kind in immer größeren Stress, den es in höchstem Maße bedrohlich erlebt.

Im Laufe unseres Lebens sind wir (im positiven Fall) immer weniger auf Ko-Regulation angewiesen und lernen mehr und mehr uns selbst zu beruhigen. Aber in unser aller Leben gibt es Situationen, die uns sehr herausfordern und denen wir alleine nicht gewachsen sind. Da brauchen wir andere an unserer Seite, die uns Sicherheit geben. Versagt dieses Bindungssystem, kommen wir auch als Erwachsene in existenziell bedrohliche Situationen.

Die Corona-Pandemie dockt für viele genau da an. Sie ist eine große Herausforderung und Bedrohung und gleichzeitig ist die Verfügbarkeit von direkt spürbarer Bindungsunterstützung eingeschränkt. Das macht Stress! Diesen Stress fühlen viele von uns. So reißt es uns beispielsweise hin und her zwischen dem notwendigen Abstand und der Sehnsucht nach spürbarer Begegnung und Berührung. Das ist schwierig, ganz besonders für die, die alleine „in ihrem Hausstand“ leben.

Aus traumapädagogischer Sicht, mit dem Wissen um die fatalen Wirkungen von gefühlter existenzieller Bedrohung und der Bedeutung von sicherheitsgebender Bindung, sollten wir eine gute Balance zwischen Begegnung, Berührung und schützendem Abstand finden. Da hilft kein „Hopp oder Top“. Darf ich meine 85-jährige Mutter, wenn sie traurig ist, in den Arm nehmen? Tröste ich das Kind, dass mir in Kita oder Einrichtung anvertraut ist nach einem Sturz mit körperlicher Nähe? Lade ich die Freundinnen zu mir ein, deren Gespräche mir schon immer hilfreich und unterstützend waren? Was gefährdet mich und andere mehr?

Darauf gibt es keine eindeutige Antwort, das müssen wir alle von Fall zu Fall für uns selbst entscheiden, auch und gerade bei steigenden Infektionszahlen. Das macht ja gerade den großen inneren Stress, die Unsicherheit und Belastung aus, die viele von uns erleben und die diese Krise mit sich gebracht hat.
Regina Miehling

Veränderungen auf dem Labenbachhof
Wie im letzten Newsletter beschrieben, steht ein Wechsel in der Geschäftsführung der Labenbachhof gGmbH bevor. In den nächsten Monaten wird es einen Übergang geben, im nächsten Newsletter berichten wir mehr.

Ab 4. Oktober nimmt unsere Kollegin Lucija Lukic Holjan auf dem Labenbachhof nach der Elternzeit wieder ihre Tätigkeit als Referentin und Therapeutin auf.
Darf es ein bisschen mehr sein?
Oh ja, bitte mehr Nähe, mehr Zuversicht und Wissen.

Fort-, Weiterbildungs- und Supervisionsangebote 2020
„Deeskalation und Selbstschutz in der sozialen Arbeit"
Fortbildung für Mitarbeiter*innen in sozialen Arbeitsfeldern | am 08. Oktober 2020 in Nürnberg | mehr Infos... (ausgebucht, Warteliste)
„Einführungswochenende Trauma"
Für Interessierte und Menschen in helfenden Berufen | vom 09. - 11. Okt. 2020 am Labenbachhof in Ruhpolding | mehr Infos... (nur noch wenige Plätze)
„Supervisionswochenende für traumazentrierte Fallsupervision"
Vom 13. - 15. November 2020 am Labenbachhof in Ruhpolding
„Heilsame Kunst“ - traumasensible und ressourcenorientierte Ansätze in der Kunsttherapie
Für Menschen in helfenden Berufen | vom 23. - 25. November 2020 am Labenbachhof in Ruhpolding | mehr Infos...
„Kunst in der Traumaarbeit“ - kunsttherapeutische und ressourcenorientierte Ansätze
Für Traumapädagog*innen/berater*innen und Traumatherapeut*innen | vom 26. - 28. November 2020 am Labenbachhof in Ruhpolding | mehr Infos...
„… und er führte sie aus Finsternis und Dunkel - Trauma und Seelsorge“
3-teilige Fortbildungsreihe für Seelsorger*innen mit Beginn vom 09. - 12. November 2020 am Labenbachhof in Ruhpolding | mehr Infos... (nur noch wenige Plätze)
… zu finden hier, Rubrik ‚Seminare‘ und ‚Weiterbildungen‘.


Liebe*r Freunde und Ehrenamtliche,

wir hoffen, der Newsletter hat Ihnen gefallen. Wenn ja, dann leiten Sie ihn doch weiter. Vielleicht kennen Sie noch jemanden mit Interesse an diesen Themen. Uns ist jede neue Leserin und Leser herzlich willkommen.

Ihre
Imke Mentzendorff, Maid Alić, Atran Youkhana
aus der WoH Geschäftsstelle in München
Martina Bock, Regina Miehling und Lucija Lukić Holjan aus den WoH Büros in Nürnberg und in Ruhpolding
Trauma heilen, Frieden stiften, Versöhnung leben.
Wir danken herzlich den Spendern und Zuschussgebern, ohne die unsere Arbeit nicht möglich ist. Weiteres erfahren Sie hier.
Absender des Newsletters: Stiftung Wings of Hope Deutschland, Bergmannstraße 46, 80339 München
Tel: 089-50808851 | info@wings-of-hope.de | www.wings-of-hope.de

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